„Egal, wie viel Mühe es dich kostet: Durch die Anerkennung wird es besser in deinem Beruf“

Hamsa Mohamed-Mohand, Mechatroniker für Kältetechnik

„Egal, wie viel Mühe es dich kostet: Durch die Anerkennung wird es besser in deinem Beruf“

Hamsa Mohamed-Mohand, Mechatroniker für Kältetechnik

Der gelernte Kältetechniker Hamsa Mohamed-Mohand hat seine Berufsausbildung in Spanien absolviert – und erfolgreich ein Berufsanerkennungsverfahren in Deutschland durchlaufen. Im Interview spricht er über seinen Weg zum Wunschjob in Deutschland und wie ihn die IQ Anerkennungsberatung unterstützt hat.

Herr Mohamed-Mohand, können Sie uns ein wenig über Ihre Geschichte erzählen? Wo sind Sie geboren und wo haben Sie bisher gelebt? Und wie sind Sie dahin gekommen, wo Sie jetzt sind?

Hamsa Mohamed-Mohand: Ich bin in einer kleinen Stadt im Süden Spaniens geboren, eine EU-Grenzstadt in Afrika.* Dort habe ich erst einmal eine Ausbildung zum Informatiker gemacht. Wegen der Arbeitsmarktsituation in Spanien habe ich die zweite Ausbildung zum Kälteanlagenbauer in Granada gemacht. Meine Geburtsstadt ist so klein, dort war das nicht möglich. Granada ist eine sehr schöne Stadt, eine Studentenstadt, wie bei uns hier in Göttingen. Ich habe meine Ausbildung dort 2012 abgeschlossen und seitdem fast nur als Informatiker gearbeitet. Meine Berufserfahrung als Kälteanlagenbauer habe ich fast nur in Deutschland gesammelt.

*Es gibt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste an der Grenze zu Marokko zwei spanische Städte (Exklaven), die zur EU gehören.

Wie sind Sie auf den Beruf Kältetechniker gekommen?

Hamsa Mohamed-Mohand: Durch eine Zeitarbeitsfirma, die ein Büro in Spanien hat. Die vermitteln, soweit ich weiß, pro Jahr um die 100 spanische Handwerker nach Deutschland. Die Zeitarbeitsfirma bekommt Geld, muss die Handwerker aber schulen. Ich habe über die Zeitarbeitsfirma einen Monat Deutschkurs bekommen, das ist sehr wenig.

Hat das für Sie funktioniert, das Arbeiten in Deutschland, mit nur einem Monat Deutschkurs?

Hamsa Mohamed-Mohand: Nein. Ein einmonatiger Deutschkurs ist definitiv nicht genug. Ich war zuerst bei einer Elektrofirma, einen Monat, das war aber nicht mein Beruf. Dann hat die Zeitarbeitsfirma einen zweiten Kunden gefunden, eine große Firma im Bereich Kälte- und Klimatechnik, hier in Northeim bei Göttingen. Seit Juni 2018 bin ich dort. Erst einmal als Helfer, über die Zeitarbeitsfirma. Normalerweise ist es so: Man arbeitet dort sechs Monate über die Zeitarbeitsfirma, dann nochmal sechs Monate und wenn das gut läuft, fängt man dann direkt bei der Firma an. Ich bin nach meinem siebten Monat dort direkt übernommen worden.

Dann haben Sie dort wahrscheinlich sehr gute Arbeit geleistet.

Hamsa Mohamed-Mohand: Ich bin sehr zufrieden mit meiner Firma. Aber die Bürokratie in Deutschland: Deine Ausbildung passt in Deutschland, aber du darfst am Anfang nicht in deinem richtigen Beruf in Deutschland arbeiten. In deinem Arbeitsvertrag steht so etwas wie: angelernter Facharbeiter. Es ist insgesamt sehr viel Bürokratie. Bei mir hat das neun Monate gedauert – und ich habe nicht direkt angefangen, sondern vorher sehr viel recherchiert, Infos gesammelt. Ich wusste, was man braucht. Ich habe zusammen mit meiner Firma einen Deutschkurs gebucht. Und gemacht. Und bestanden. Dann habe ich mit dem Anerkennungsverfahren angefangen. Weil ich vorher wusste: Da braucht man Berufserfahrung, mindestens sechs Monate, einen Deutschkurs, ein bestimmtes Deutschniveau und natürlich die richtige Ausbildung. Ich habe das selbst verglichen, meine Ausbildung hat fast dieselben Inhalte wie die deutsche Ausbildung.

Also das, was Sie können müssen für den Beruf, ist in Spanien und in Deutschland sehr ähnlich?

Hamsa Mohamed-Mohand: Ja, richtig. Ich habe die Unterrichtspläne verglichen und man kann sagen: Das war fast das Gleiche. Aber man hat trotzdem Angst. Man denkt, dass man vielleicht trotzdem nicht die volle Anerkennung bekommt. Aber Gott sei Dank war alles gut bei mir.

Wer hat Ihnen bei der Berufsanerkennung geholfen, hier in Deutschland?

Hamsa Mohamed-Mohand: Frau Vette von der IQ Anerkennungsberatung der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen. Sie hat mir sehr viel geholfen. Ich habe 1.000 E-Mails geschrieben, sie hat jedes Mal geantwortet. Wir haben auch oft telefoniert. Man hat so viele Fragen: Was kommt zuerst? Was muss ich jetzt machen? Sie hat mir erzählt, dass es eine finanzielle Hilfe gibt (den Anerkennungszuschuss der Bundesregierung, Anmerkung der Redaktion). Das hat gedauert, aber es hat geklappt. Aber viel Papierkram.

Das Problem am Anfang ist: Du weißt nicht, wohin du gehen, an wen du dich wenden sollst. Die Bildungsgenossenschaft, bei der Frau Vette arbeitet, habe ich in Spanien gefunden. Bevor ich nach Deutschland gegangen bin, wusste ich, ich habe noch fünf Monate, in dieser Zeit muss ich so viele Infos sammeln wie möglich. Ich habe in Spanien auch einen Deutschkurs angefangen für ein paar Monate. Dann habe ich sehr viel recherchiert. Und danach wusste ich, in Göttingen gibt es ein Büro, das hilft. Aber normalerweise hat man nicht so viele Infos. Vielleicht konnte ich so viel recherchieren, weil ich auch Informatiker bin. Aber es ist ein bisschen kompliziert für normale Leute.

Manchmal fehlt es auch ein wenig an Empathie. Keiner kann deine Situation nachvollziehen. Manche Beamte haben fast gar keine Empathie. Du bist neu in Deutschland. Du musst direkt arbeiten und du bist ja auch nach Deutschland gekommen wegen der Arbeit. Aber manchmal musst du einen Tag Urlaub nehmen, um zu einer Antragsstelle zu gehen, und die helfen dir dann nicht viel und geben dir keine Infos. Ich erinnere mich an meinen zweiten oder dritten Monat in Deutschland, da war eine nicht sehr nette Dame in der Verwaltung in Göttingen, die mich gefragt hat: „Warum können Sie so schlecht Deutsch?“ – „Ich bin neu hier. Können wir bitte auf Englisch …“ – „Nein.“ Aber es ist nicht oft so. Und manchmal findest du Leute wie Frau Vette. Ich habe Frau Vette einmal gesagt, dass sie mit mir mehr als üblich gemacht hat. Sie hat mir sehr viel geholfen, alle E-Mails beantwortet, immer freundlich, immer hilfsbereit.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf Kältetechniker?

Hamsa Mohamed-Mohand: Ich bin sehr detailliert in meiner Arbeit und versuche, sehr korrekt zu arbeiten. Bei uns in der Firma ist es so: Es ist eine große Firma, die Arbeit wird aufgeteilt. Es gibt eine Montageabteilung, eine Serviceabteilung und eine Abteilung für Wartung. Meine spanische Ausbildung ist die gleiche wie in Deutschland, aber mehr in Richtung Wartung. Leider wird in Spanien aber gar nicht so viel Wartung gemacht (lacht). In der Ausbildung ist es ein großer Teil, in der Praxis kaum. Hier in Deutschland ist die Wartung sehr wichtig. Man kann sagen: Meine spanische Ausbildung passt sehr gut nach Deutschland, aber nicht so gut nach Spanien.

Und sind Ihre Kollegen nett?

Hamsa Mohamed-Mohand: Die meisten meiner Kollegen sind sehr nett. Ich glaube an Gott und an Karma. Wenn du ein gutes Herz hast und gute Sachen machst, dann sorgt Gott dafür, dass du guten Menschen begegnest. Ich habe einen Kollegen, der für mich wie ein Vater ist. Er hat mir am Anfang sehr geholfen und tut es immer noch. Am Anfang hatte ich ihm erzählt, wie kompliziert das bei mir ist. Auch mein jetziges Unternehmen hat mir sehr geholfen, ich werde ihnen immer dankbar sein. Denn normalerweise suchen solche Zeitarbeitsfirmen Menschen ohne Familie. Ich bin aber verheiratet. Meine Tochter war damals klein und meine Frau war schwanger. Auch deswegen dachte ich: So kann ich mein Leben nicht leben. Ich habe zwei Ausbildungen, aber nie eine feste Arbeit. Zuerst war es schwierig mit der Zeitarbeitsfirma. Die haben noch in Spanien sehr viel Hilfe versprochen, bei der Wohnungssuche zum Beispiel, haben mich aber dann nicht viel unterstützt. Natürlich, im Leben ist nicht alles einfach. Viele spanische Handwerker kommen nach Deutschland, aber nur 30 % bleiben, manchmal sogar noch weniger.

Wissen Sie, woran das liegt, dass sie nicht bleiben? Was braucht es Ihrer Meinung nach vor allem: Geduld, Zeit oder einen starken Willen?

Hamsa Mohamed-Mohand: Alles spielt zusammen. Das hat vielleicht auch etwas mit dem Alter zu tun. Ich bin nicht alt, aber die anderen sind jünger als ich. Man braucht auch Geduld. Am Anfang fängst du als Helfer an, aber du bist eigentlich Geselle. Du musst verstehen, das ist wegen der Sprache so, aber die andere Seite muss auch verstehen: Das kann nicht ein Jahr lang so bleiben. Das alles spielt zusammen. Viele haben nicht so viel Geduld und die andere Seite weiß nicht, wie es in Spanien organisiert ist. Ein Beispiel: In Spanien ist der Unterschied zwischen brutto und netto viel kleiner – in Spanien sind es 300–400 Euro Unterschied, hier in Deutschland ist es viel, viel mehr. Und das wird dir in Spanien nicht gesagt. Ich wusste das, bevor ich nach Deutschland kam, aber andere kennen das nicht. Mit einer Familie zu kommen, das ist nicht einfach. Aber mir haben sehr nette Kollegen damals geholfen. Und ich hatte keinen Plan B. Ich musste das einfach machen.

Manche Dinge hier sind sehr kompliziert. Ich glaube, Spanien ist unkomplizierter.

Hamsa Mohamed-Mohand: Alles hat Vor- und Nachteile. Und manche Sachen in Deutschland sind viel besser als in Spanien. Zum Beispiel das Thema Pünktlichkeit. In Spanien ist es oft so: schnell, schnell, mach mal, zu spät, egal. Und in Deutschland muss man pünktlich sein. Und ich bin pünktlich. In Spanien ist man nicht pünktlich. Es gibt ein paar Punkte, da passt das ganz perfekt hier mit mir, mit meiner Mentalität. In Spanien machen sie zum Beispiel auch keine Wartung, nur Reparatur. Wenn etwas kaputt geht, dann wird es repariert. Hier wird alles geplant, alles gut projektiert. Ich mache meistens nur Wartung und bin damit sehr zufrieden.

BBH Themenbotschafter "Hamsa Mohamed Mohand"
Der BBH Themenbotschafter "Hamsa Mohamed Mohand" mit seinem Firmenwagen. // © Hamsa Mohamed Mohand

Was würden Sie denn Menschen raten, die so einen Weg gehen möchten wie Sie, die also auch nach Deutschland kommen wollen und sich ihre Ausbildung anerkennen lassen möchten?

Hamsa Mohamed-Mohand: Nur ein Wort: Geduld. Und alles versuchen und viele Informationen sammeln. In Deutschland muss man immer im Kopf haben: Alles dauert. Und die Bürokratie: Nur sehr wenig ist digitalisiert, alles funktioniert mit Papier, alles muss per Fax geschickt werden, alles muss man scannen. Spanien ist da sehr viel weiter, dort kann man alles mit seinem elektronischen Ausweis machen, von zu Hause aus.

Das ist wahrscheinlich nochmal schwieriger, wenn man nur wenig Deutsch kann.

Hamsa Mohamed-Mohand: Ja, auf jeden Fall. Am Anfang brauchst du Englisch, denn nur mit dem wenigen Deutsch, was du kannst, klappt es nicht. Mir haben Kollegen erzählt, dass es früher bei der Zeitarbeitsfirma wesentlich längere Deutschkurse in Spanien gab, mehrere Monate, und dass in den ersten Monaten deine Wohnung in Deutschland bezahlt wurde. Bei mir gab es nur einen Monat Deutschkurs und einen Monat lang wurde die Wohnung bezahlt. Meine erste Priorität war, direkt bei meiner Firma angestellt zu werden, das hat sehr gut geklappt. Ich bin sehr dankbar und glücklich mit meinem Arbeitgeber.

Was möchten Sie beruflich noch erreichen?

Hamsa Mohamed-Mohand: Das habe ich noch gar nicht erzählt: Im Juli ziehe ich um nach Düsseldorf, ich habe eine neue Arbeitsstelle, das sind Partner meines jetzigen Arbeitgebers. Ich habe da Familie. Am Anfang, vor vier Jahren, da war ich allein in Deutschland – und jetzt wohnen viele Verwandte von mir in der Region Düsseldorf oder in der Nähe. Und mir ist Familie sehr wichtig. Durch meine Berufsanerkennung habe ich die neue Stelle bekommen, oder besser gesagt: ohne die Anerkennung hätte ich sie nicht bekommen. Egal, wie viel Mühe es dich kostet: Durch die Anerkennung wird es besser in deinem Beruf.

Also würden Sie empfehlen, das Anerkennungsverfahren zu machen?

Hamsa Mohamed-Mohand: Auf jeden Fall! Das muss man machen, wenn man etwas erreichen will. Du kannst natürlich auch einfacher Facharbeiter bleiben, aber wenn du mehr Lohn kriegen willst oder mal die Arbeitsstelle wechseln willst, dann geht das nur, wenn du deine Ausbildung hast anerkennen lassen.

Mussten Sie eigentlich nochmal zur Berufsschule gehen für die Anerkennung?

Hamsa Mohamed-Mohand: Gott sei Dank nicht (lacht). Ich hatte das befürchtet. Aber bei mir war es so: Die Ausbildungsstandards waren fast gleich und das wenige, das fehlte, konnte bei mir mit Berufserfahrung ausgeglichen werden. Ich hatte das ja auch vorher verglichen. Natürlich kannst du auch direkt anfangen, in Deutschland zu arbeiten, aber ich empfehle: erst Deutschkurs, dann Berufserfahrung sammeln in Deutschland, dann Anerkennung.

Das Leben hier wird immer besser. Und meine Familie ist auch glücklich hier. Alle in meiner Heimat wissen: Deutschland ist ein gutes Land zum Leben und zum Arbeiten.

Themenbotschafter zum Thema „Anerkennung“

Die Anerkennung einer ausländischen Berufsqualifikation ist für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ein wichtiges Thema.

Die Berufsanerkennung ermöglicht es ihnen, in den Berufen weiterzuarbeiten, in denen sie ihre Ausbildung in ihrem Heimatland gemacht haben. So müssen sie nicht wieder von vorne anfangen und hier eine Ausbildung beginnen, sondern können durch das offizielle Verfahren ihre Qualifikationen anerkennen lassen.

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Das Interview führte Dorothea Körber (ZWH) im Rahmen der Aktion „Tage der Anerkennung“, die dieses Jahr bundesweite Aktionen rund um das Thema Berufsanerkennung bündeln, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

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