12.09.2020, ZWH e.V., Düsseldorf

Sicher argumentieren gegen populistische Anfeindungen – Eindrücke aus einem Workshop

Mathias Hamann stellt Kommunikationsstrategien in seinem Workshop vor. (Bild: Katharina Hamann)

Betriebe, Initiativen oder Handwerkskammern, die sich für die Integration von Zugewanderten und Geflüchteten engagieren, werden bereits auf dieses Thema gestoßen sein: Anfeindungen und Populismus als Reaktion auf die Arbeit für ein vielfältiges Handwerk.

Um Vielfalt und Offenheit im Handwerk zu unterstützen, möchten wir Ihnen Informationen zum Umgang mit rechtspopulistischen Anfeindungen anbieten und dabei auch Ihre Erfahrungen kennenlernen.

Vielleicht haben Sie oder Ihre Mitarbeitenden /Kolleg*innen bereits Erfahrung mit Anfeindungen gemacht? Wünschen Sie sich Strategien, um den Anfeindungen entgegen zu treten?Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit. Gerne nehmen wir auch Ihr Feedback auf, was Sie sich zu diesem Themenfeld wünschen würden: bbh@zwh.de

Als Einstieg in das Thema hat unser Team einen Workshop besucht, den Bericht können Sie hier nachlesen:

„Wenn Reden doch noch hilft – sicher argumentieren bei Angst und Populismus“ – ein Workshopbericht

Der Start in das Themenfeld fand mit einem Workshop des Arbeiterwohlfahrt Kreisverbands Bielefeld im Rahmen des Projekts „IQ NRW – Lehrkräftequalifizierungen Berufsbezogenes Deutsch und Fortbildungsangebote für Akteur*innen aus der Fort- und Weiterbildung und der Beratung“ statt.

Die Teilnehmenden sind zusammengesetzt aus Sprachlehrkräften und pädagogischen Mitarbeitenden, die das Interesse an sachlicher Argumentation gegen Anfeindungen und populistischen Äußerungen eint.

Als Referent des Workshops ist der ehemalige freie Journalist und Mitbegründer des Instituts für Kommunikation und Gesellschaft, Mathias Hamann, vor Ort. Er setzt sich auch ehrenamtlich gegen Hassrede und Rechtspopulismus ein.

Populismus – Welche Ideologie steckt dahinter?

Als Einstieg in das Thema Populismus beschreibt Hamann anhand historischer Beispiele aus verschiedenen Ländern, dass es in jedem Kontext (und Land) Geflüchtete/Zugewanderte gab/gibt, gegen die populistisch gehetzt wird/wurde.

Er erklärt, dass die Angst vor Fremden im Populismus benutzt wird, um eine Identität zu schaffen. Eine konkrete Abgrenzung des populistischen „Wir“ gegen „die Anderen“ beschreibt er ebenso, wie die Vereinfachungen innerhalb populistischer Ideologien: Verschiedene Bevölkerungsgruppen eines Landes werden zu einem „Volk“ zusammengefasst und ein gemeinsamer Wille unterstellt. Politiker*innen oder Machthabende werden im Populismus als die „Elite“ angesehen, die das „Volk“ verraten. Populisten sehen dabei sich selbst als die „Stimme des Volkes“, so dass jede gegenteilige Meinung moralisch als „Verrat“ gewertet wird.

Anhand dieser Einleitung erklärt Hamann bereits psychologische Muster, die hinter populistischen Theorien stehen. Im weiteren Verlauf des Workshops werden vor allem Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie und Argumentationsstrategien angewendet, um Gegenargumente gegen populistische Anfeindungen zu finden.

Kooperative und konfrontative Strategien

Vor dem Anwenden einer Argumentationsstrategie muss eine generelle Bereitschaft des Gegenübers zur Diskussion vorliegen, so Hamann (Zielgruppenanalyse: Vor dem Beginn einer Diskussion sollte man herausfinden, wie offen der*die Gesprächspartner*in für Argumente ist und wie stark die Meinungen auseinandergehen).

In der kooperativen Strategie versucht man, trotz eigener Grenzen (eigene Werte, Meinungen), auch Zugeständnisse zu machen. In einer Diskussion greift man die Argumente des Gegenübers auf und spiegelt sie – also zeigt, dass man sie verstanden hat.

Anschließend sollte man oberflächliche Gemeinsamkeiten benennen („Uns ist es doch beiden wichtig, dass es Menschen gut geht!“) und seine eigene Position reflektieren sowie begründet darstellen. Psychologisch gesehen ist es wichtig, empathisch zu widersprechen, also eine Gemeinsamkeit aufzudecken, bevor man widerspricht. So kann man Zweifel säen und trotzdem die Gesprächsbeziehung zum Gegenüber aufrechterhalten.

In der konfrontativen Strategie kann man Widersprüche aufdecken und direkt auf Heuchelei und Wertebrüche des Gegenübers hinweisen.

Überzeugung ist nicht das Ziel – Anregungen zum Überdenken

Man wird keinen Populisten vom Gegenteil überzeugen – darauf weist Mathias Hamann hin, aber er betont, wie wichtig es ist durch sachliche Argumente eventuell ein Umdenken zu erreichen.

Das Thema „Sachlich argumentieren gegen Hetze“ ist auch im Hinblick auf die Online-Kommunikation und die Präsenz in den sozialen Medien von wachsender Bedeutung. Daher wird das ZWH-Team in Zukunft auch zu diesem Themenfeld informieren und Strategien zum Umgang mit rechtspopulistischen Anfeindungen vorstellen.

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