Handwerkskammer Hannover

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Interview mit Julia Yilmaz

Julia Yilmaz: Mit der Initiative „Botschafterinnen und Botschafter des Handwerks“ wollen wir die Fachkräftegewinnung in der Fläche strukturieren. Wir möchten potenzielle Fachkräfte besser erreichen, indem wir Handwerker*innen als Repräsentant*innen für das Handwerk entwickeln und unser regionales Informationsnetzwerk weiter ausbauen. Mit Unterstützung unserer Botschafter*innen erreichen die Informationen und Angebote der Handwerkskammer die Zielgruppe der Menschen mit eigener Zuwanderungserfahrungen oder Migrationshintergrund – immer gemäß dem Ansatz: Ihre Handwerkskammer stellt sich vor.

Julia Yilmaz: Wir haben insbesondere Geflüchtete auf ihrem Weg in Ausbildung oder Arbeit sowie am Übergang Schule und Beruf im Blick. Wir möchten diese Zielgruppen zum Beispiel in Unterkünften für Geflüchtete erreichen. Auch die Familienangehörigen der Menschen sind für uns wichtige Zielgruppen. Zum Beispiel möchten wir diese über Anforderungen des Arbeitsmarktes oder die Arbeitswelt in Deutschland informieren. Die Botschafter*innen können derartige Informationen gut, praxisnah und glaubwürdig in ihren Communities teilen. Zudem weisen wir Betriebe auf potenzielle Azubis oder Mitarbeitende hin und binden ehrenamtliche Unterstützer*innen und Unterstützungsorganisationen in die Initiative und unser Netzwerk mit ein.

Julia Yilmaz: Potenzielle Fachkräfte und Betriebe zusammenzubringen ist an sich nicht selten eine Herausforderung. Dazu gehört auch, die Kommunikation zu gewährleisten, indem sprachliche Hürden abgebaut werden. Unsere Botschafter*innen sprechen meist mehrere Sprachen und können sich, gerade mit Menschen, die die deutsche Sprache erst noch lernen, gut verständigen. Um die Initiative „Botschafterinnen und Botschafter des Handwerks“ mehr in die Fläche des Kammerbezirkes zu bringen, binden wir die Kreishandwerkerschaften, Arbeitsverwaltungen und ehrenamtliche Unterstützenden sowie Migrantenselbsthilfeorganisationen, wie z. B. das MiSO-Netzwerk Hannover e. V. mit ein.

Julia Yilmaz: Unsere Botschafter*innen sind lebendige Beispiele für gelungene Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft. Die Handwerker*innen können aufgrund ihrer eigenen Erfahrung Authentizität vermitteln, indem sie Menschen in Lebensabschnitten ansprechen, die sie selbst durchlaufen haben. Sie bringen ein besonderes Verständnis für Vorbehalte, etwa gegenüber einer Tätigkeit im Handwerk oder der dualen Berufsausbildung, mit und kennen die Schwierigkeiten, zum Beispiel vor und während einer Ausbildung.

Julia Yilmaz: Mit den Qualifizierungsangeboten, welche wir gemeinsam mit der ZWH, Kolleg*innen aus anderen Abteilungen der Handwerkskammer sowie externen Partner*innen anbieten, können sich die Handwerker*innen beruflich und privat weiterentwickeln. Sie erhalten tiefer gehende Informationen über Strukturen der Handwerkskammer und Handwerksorganisation und können Kontakte knüpfen. Die Botschafter*innen beziehen außerdem eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 € pro Einsatz sowie eine finanzielle Vergünstigung: Um sie bei Ihren Aufgaben zu unterstützen und ihre persönliche Entwicklung zu fördern, gewährt die Handwerkskammer Hannover einen Gutschein in Höhe von 10 % der Kosten einer Weiterbildung bei der HWK Hannover.

Julia Yilmaz: Betriebe erhalten zusätzliche Werbung für ihr Unternehmen und gewinnen Fachkräfte. Wenn Mitarbeitende als Botschafter*innen eingesetzt und für ihre Einsätze gelegentlich auch einmal freigestellt werden, stärkt dies außerdem die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden.

Julia Yilmaz: Es wurden (ehemalige) Teilnehmende des IHAFA-Projektes gezielt angesprochen. Auch Kolleg*innen in anderen Abteilungen des Hauses wiesen auf potenzielle Botschafter*innen hin. Durch unsere Netzwerkarbeit und insbesondere den Kontakt zum Projekt „Brückenbauer*innen“ in Hannover konnten wir weitere Kandidat*innen gewinnen.

Julia Yilmaz: Unsere Botschafter*innen kamen bereits bei Informationsveranstaltungen zum Einsatz, zum Beispiel beim Jobcenter im Landkreis Nienburg, in Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft Diepholz/Nienburg oder in einem Deutschkurs der Leine-VHS in Laatzen. Derartige Events planen wir weiter und werden dabei mit diversen Kooperations- und Netzwerkpartnern, wie der öffentlichen Arbeitsverwaltung und weiteren Bildungsträgern mit zielgruppenspezifischen Angeboten kooperieren. Auch hausinterne Informationsveranstaltungen und Treffen in Migrantenorganisationen, mit einer direkten Ansprache der Zielgruppe über die Communities, sind vorgesehen.

Julia Yilmaz: Die Ansprache, Organisation der Initiative und die Koordinierung der Einsätze wird durch das Projektteam IHAFA sichergestellt, weil es gut in die Ausrichtung unserer Tätigkeiten passt.

Julia Yilmaz: Die persönliche Entwicklung der Botschafter*innen begleiten und unterstützen zu dürfen. Ich erlebe, wie das Selbstbewusstsein der Botschafter*innen durch ihr Engagement gestärkt wird, denn sie können hier auch außerhalb ihrer Betriebe Verantwortung übernehmen.

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Ihre Ansprechpersonen helfen Ihnen gerne weiter:

Torsten Beez

Regionale Koordinierung der Initiative

Berater für Integrationsprozesse im Projekt "Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber (IHAFA)"

beez@hwk-hannover.de

Tel.: +49 5131 7007-772

Sonja Kiekens

Regionale Koordinierung der Initiative

Integrationsberaterin im Projekt "Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber (IHAFA)"

kiekens@hwk-hannover.de

Tel.: +49 5131 7007-779

Julia Yilmaz

Regionale Koordinierung der Initiative

Beraterin für Integrationsprozesse im Projekt "Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber (IHAFA)"

jyilmaz@hwk-hannover.de

Tel.: +49 5131 7007-682

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