ARRIVO BERLIN

Irena Büttner (Leiterin des Teilprojekts ARRIVO BERLIN Ausbildungscoaching, Handwerkskammer Berlin) und Dr. Johnny Van Hove (Projektleiter der Technischen Koordinierung ARRIVO BERLIN).

Interview mit Dr. Johnny Van Hove und Irena Büttner

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Ihre Kontaktpersonen zu unseren Leistungen:

Dr. Johnny Van Hove

Projektleiter der Technischen Koordinierung (TK) ARRIVO BERLIN I BUS gGmbH

Zu den Aufgaben der TK gehören die Vernetzung der zehn Teilprojekte, die Fortbildung des Projektpersonals, die Öffentlichkeitsarbeit für die Initiative und die Zuarbeit zum Fachcontrolling.

johnny.vanhove@bus-projekte.de

0162 1072233

Dr. Johnny Van Hove: Die Ausbildungsinitiative ARRIVO BERLIN und die Modellinitiative passen gut zusammen: Wir teilen die Liebe fürs Handwerk, die Begeisterung für Innovation und zielen beide auf Arbeitsmarktintegration und Fachkräftesicherung ab. Das ist eine gute Grundlage, Erfahrungen über Bewährtes auszutauschen, aber auch und vor allem gemeinsam neue Wege in der Ansprache der Zielgruppen von ARRIVO BERLIN zu entwickeln und zu erproben. Mit der Initiative können wir das Handwerk öffentlichkeitswirksam stärken, aber auch die Botschafter und Botschafterinnen in ihren Kompetenzen stärken, sowie bei ihrer sozialen und beruflichen Integration unterstützen.

Irena Büttner: Als Projekt der Handwerkskammer Berlin ist ARRIVO BERLIN Ausbildungscoaching besonders daran interessiert, mit unseren aktuellen und/oder ehemaligen Projektteilnehmenden als Botschafter und Botschafterinnen das Handwerk mit seinen vielfältigen und spannenden Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten einer breiten Zielgruppe zu präsentieren und für sie zu öffnen.

Dr. Johnny Van Hove: Die zehn Teilprojekte bei ARRIVO BERLIN arbeiten täglich daran, geflüchtete Menschen auf ihren Weg beziehungsweise während der Ausbildung zu begleiten. Diese Gruppe zu erreichen und für das Handwerk zu begeistern, ist unser Hauptziel, denn Menschen mit Fluchtgeschichte kennen die zahlreichen Möglichkeiten, Chancen und Vorteile des Handwerksbetriebs häufig nur unzureichend. Die BBH sind auch für die Betriebe, mit denen wir bei ARRIVO BERLIN sowieso eng zusammenzuarbeiten, eine Chance, sich selbst, die eigene Berufswelt und den ganzen Wirtschaftsbereich darzustellen und zu promoten.

Irena Büttner: Das Ziel der Arbeit, Aktivitäten und Einsätze unserer Botschafter und Botschafterinnen ist es in der Tat, noch mehr Menschen mit Fluchtgeschichte für eine Ausbildung bzw. Beschäftigung im Handwerk zu begeistern. Die Botschafter und Botschafterinnen des Handwerks sprechen aber auch andere Handwerksbetriebe an, berichten von ihren Erfahrungen und erzählen ihre Geschichte. Auf diesem Weg können sie weitere Betriebe und ihre Mitarbeitenden für eine neue und potenziell bisher unbekannte Zielgruppe aufschließen.

Dr. Johnny Van Hove: ARRIVO BERLIN arbeitet grundsätzlich an der Schnittstelle von Arbeitsmarktintegration und Fachkräftesicherung – genau diese Herausforderungen nimmt die Modellinitiative, explizit oder im Subtext, ebenfalls in den Blick. Im Rahmen dessen ist es unser Anliegen, eine Win-win-Situation zu schaffen, in der alle Beteiligten gewinnen.

Irena Büttner: Unsere Berliner Handwerksbetriebe suchen händeringend Nachwuchskräfte. Gemäß dem Motto „Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern wo man hinwill.“ sind Menschen aus allen Nationalitäten und mit allen Hautfarben willkommen. Und wer könnte das besser und treffender anderen Menschen mit ähnlichen Herkunftserfahrungen nahebringen als unsere Botschafter und Botschafterinnen des Handwerks?

Dr. Johnny Van Hove: BBH und Beratungsfachkräfte können sich gut ergänzen, Peer-to-Peer-Ansätze bieten aber den Vorteil, dass sie es besser schaffen, die Zielgruppe in der „eigenen Sprache“, im Sinne einer Sensibilität beziehungsweise eines Verständnisses für die eigene Lebenswelt, zu adressieren. Somit gewinnt die Ansprache an Authentizität und es kann wirkungsvoller eine gewisse Transparenz über das Handwerk geschaffen werden.

Irena Büttner: BBH können viel besser und überzeugender die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse aus dem Ausbildungsleben und dem Betriebsalltag schildern und darstellen. Auf diese Weise können sie die Zuhörer in ihrer Sprache in ihren Bann ziehen und wirkungsvoll für ihren Beruf und für das Handwerk werben.

Dr. Johnny Van Hove: Im Rahmen der Kooperation ergeben sich eine Menge Darstellungs-, Vernetzungs- und Weiterqualifikationsmöglichkeiten, die insbesondere geflüchtete Menschen beruflich und persönlich voranbringen können – neue Sprachregister können aufgebaut und geübt werden, Präsentations-Skills und innovative Darstellungsformen kennengelernt und erprobt werden. Nicht zuletzt ergeben sich viele Vernetzungsmöglichkeiten, mit Peers und Professionals aus dem Handwerk und der Trägerlandschaft – diese Kontakte sind unbezahlbar.

Dr. Johnny Van Hove: Die Kooperation ermöglicht es den BBH, sich vertiefend mit dem eigenen Beruf auseinanderzusetzen und sich die Attraktivität beziehungsweise die „Coolness“ des eigenen Berufs und den dazugehörigen Vorteilen bewusster zu werden – das vertieft die Identifikation mit dem Handwerk im Allgemeinen und der eigenen Firma im Besonderen. Die Betriebe haben somit die Chance, ihre motivierten Fachkräfte stärker und gegebenenfalls auch längerfristig an sich zu binden. Außerdem erhöht die öffentlichkeitswirksame Arbeit der BBH die Sichtbarkeit und das Diversityprofil des Unternehmens, was längerfristig auch zu handfesten wirtschaftlichen Vorteilen führen kann.

Irena Büttner: Eine Unterstützung des Engagements der Botschafter und Botschafterinnen des Handwerks seitens der Betriebe ist immer auch eine Wertschätzung der Arbeit dieser Mitarbeiter*innen. Eine positive Motivation und auch die Anbindung der Mitarbeitenden an den Betrieb werden damit gefördert. BBH sind durch ihre Teilnahme an Veranstaltungen, Präsentationen, Messen und ihre Repräsentanz des eigenen Ausbildungsberufes und damit auch immer des Betriebes in der Lage, sowohl geeignete Bewerber*innen für freie Ausbildungsstellen als auch mögliche Fachkräfte aus dem Kreis ihrer Peergroup und darüber hinaus für ihren Betrieb anzusprechen und zu gewinnen.

Dr. Johnny Van Hove: Die Teilprojekte von ARRIVO BERLIN arbeiten tagtäglich mit geflüchteten Menschen und Betrieben zusammen, der Weg zu den entsprechenden Zielgruppen ist also kurz und direkt – wir sehen sie ja sozusagen täglich in der Beratung, in der Werkstatt, im Betrieb.

Irena Büttner: Die Projektcoaches von ARRIVO BERLIN Ausbildungscoaching wählen gezielt geeignete Auszubildende für die Mitarbeit in der Modellinitiative aus und sprechen sie direkt an. Ziel ist es, in einem ersten Gespräch sehr wertschätzend den jungen Menschen gegenüber Vorteile einer Mitwirkung an dieser Modellinitiative zu transportieren, um die Neugier für die Mitarbeit/Beteiligung daran zu wecken.

Dr. Johnny Van Hove: Als Koordination ist es für uns von zentraler Bedeutung, dass wir einen Rahmen schaffen, in dem die BBH und die Betriebe dazu befähigt werden die Initiative inhaltlich, methodisch, öffentlichkeitswirksam zu prägen – sie kennen ihre Peers und wissen, wie diese „ticken“. Dieses Wissen versuchen wir dann zu kanalisieren und produktiv zu machen. Dabei gehen wir, wie immer bei ARRIVO BERLIN, pragmatisch vor: Wir setzten erstmal einen Initialimpuls, fangen beispielsweise mit einer Online-Informationsveranstaltung mit und für die Zielgruppen an, werten diese kritisch aus, gehen ins Gespräch mit allen Beteiligten, und bauen dann sukzessive darauf weiter auf. Wichtig ist es für uns, die entsprechenden Ausbildungsbetriebe bei alledem was wir tun ins Boot zu nehmen – sei es bei der möglichen Produktion von Videos, Veranstaltungen oder sonstige Einsätze. Die Wertschätzung für die BBH sollte auch eine Wertschätzung für die involvierten Betriebe sein, die mit Erfolg und Freude ihre hinzugezogenen Mitarbeiterinnen eine Chance gegeben haben, auch wenn manchmal die Rahmenbedingungen nicht immer leicht sind.

Dr. Johnny Van Hove: ARRIVO BERLIN macht Vieles auf dem kurzen Dienstweg, da die Kontakte zu den Zielgruppen etabliert und intensiv sind. Der Austausch zwischen allen Beteiligten – insbesondere Menschen mit Fluchthintergrund und die Betriebe – läuft bei ARRIVO BERLIN recht unkompliziert, das erleichtert alle Aspekte der Zusammenarbeit ungemein. Häufig ist der Kontakt eine Frage eines kurzen Anrufes mit Menschen, die wir aus der Vergangenheit oder im Rahmen unserer jetzigen Zusammenarbeit kennen- und schätzen gelernt haben.

Dr. Johnny Van Hove: Der Peer-to-Peer-Ansatz ist vielversprechend und verdient eine systematische Erprobung. Außerdem sind die Gestaltungsmöglichkeiten bei der Initiative groß und die Unterstützung seitens der Organisation handfest und offen für Innovation – das zu tun, was getan werden muss, um zum Ziel zu kommen, passt gut zum pragmatischen Ansatz von ARRIVO BERLIN. Die Erfahrungswerte aus den anderen Bundesländern sind für uns auch sehr wertvoll, denn ARRIVO BERLIN ist zwar ausschließlich ein Berliner Akteur, wir werden aber dennoch sehr von einem transregionalen Erfahrungsaustausch profitieren.

Irena Büttner: BIch hoffe darauf, dass die Botschafter und Botschafterinnen des Handwerks auch untereinander ihre Erfahrungen austauschen und sich sprachlich, beruflich und persönlich weiterentwickeln. Das würde sie bei ihrem eigenen Ziel, erfolgreich in Deutschland anzukommen, unterstützen und weiterbringen.

Irena Büttner

Leiterin des Teilprojekts ARRIVO BERLIN Ausbildungscoaching

Das Projekt in Trägerschaft der Handwerkskammer Berlin berät Unternehmen und bietet deren Auszubildenden mit Fluchthintergrund ein individuelles Coaching mit dem Ziel, die Berufsausbildung erfolgreich zu beenden.

buettner@hwk-berlin.de

030 25903 - 388

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